Als Streuobst bezeichnet man die Früchte von verschiedenen, meist auf einer Wiese „verstreut“ stehenden Obstbäumen. Als Unterscheidung vom Plantagenanbau ist die Streuobstwiese die traditionelle Anbauweise für Obst. Bäume ganz unterschiedlicher Obstarten stehen relativ weit verteilt auf Wiesen, die zugleich landwirtschaftlich genutzt werden. Überwiegend handelt es sich bei Streuobst um Kernobst (Apfel, Birne), doch je nach Region und Klima ist auch Steinobst (z.B. Kirsche, Pflaume, Mirabell) anzutreffen.

Werden die verschiedenen Obstsorten einer Streuobstwiese zu einem Obstbrand verarbeitet, bezeichnet man diesen als Obstler (Cuvee). Bei Destillaten, die nur eine bestimmte dieser Streuobst-Sorten zur Grundlage haben, spricht man von sortenreiner Obstbrand.

Obstbäume können sehr alt werden. Nur gelegentlich werden sie durch neue ersetzt. So ergibt sich auf vielen alten Streuobstwiesen eine oft nicht mehr richtig nachvollziehbare Mischung von Obstarten, die nicht einfach zu unterscheiden sind. Darunter befinden sich auch selten gewordene, regional typische, teils vergessene Arten.

Unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Effizienz sind Streuobstwiesen mit ihren weiten Flächen und hochstämmigen Bäumen dem intensiven Anbau von Plantagenobst mit durchweg niedrigen Stämmen unterlegen. Dafür spielen sie eine wichtige Rolle für den Artenschutz und prägen in vielen Regionen Deutschlands das Landschaftsbild. Sie bieten ein Stück Kultur und Qualität.

Vielerorts nehmen sich Naturschutzverbände, regionale Initiativen und Pomologen des Themas Streuobstwiese an. Etwa seit Ende der 90er Jahre werden in einigen Regionen die Streuobstsorten des Jahres bestimmt. Für 2014 wurde für Baden-Württemberg die Apfelsorte Französiche Goldrenette benannt, in Hessen der Vaterapfel, im Bereich Saarland / Pfalz die Goldparmäne, in Hamburg der Gelbe Richard, in der Pfalz der Rote Augustiner und von der Rhöner Apfelinitiative die Reders Goldrenette.