Vogelbeer-Schnaps, Elsbeer-Brand, Speierling – wo ist da der Unterschied?

Schnaps aus Vogelbeeren Bild

Lesedauer etwa: 2 minutes

Vogelbeer-Schnaps ist wenig bekannt, obwohl er schon eine lange Tradition in Europa hat. Es ist nun mal kein Massenprodukt wie Obstler, Kornbrand oder Gin. Hinzukommt, dass die volkstümlich ganz pauschal als Vogelbeere bezeichnete Frucht viele verschiedene Erscheinungsformen hat und es dafür regional unterschiedliche Namen gibt. Botanisch gesehen handelt es sich bei der “Vogelbeere” oder “Mehlbeere” um “Sorbus”, eine Kernobst-Gattung aus der Familie der Rosengewächse. Dem Genießer, der die cremigen und aromatisch an Marzipan erinnernden Destillate aus Vogelbeer-Arten zu schätzen weiß, kann die botanische Einordnung an sich ziemlich egal sein. Doch spätestens, wenn es um die Entscheidung zwischen Speierling, Vogelbeer-Schnaps, Elsbeer-Brand, kommen Fragen auf. Zumal die die Preise für sogenannten Vogelbeerschnaps am Markt zum Teil exorbitant sind.

Über 170 Vogelbeer-Sorten – 3 Schnaps-Arten

Allein in Europa gibt es von der weitverbreiteten Gattung Sorbus über 170 verschiedene Arten. Regional unterschiedliche Namen für dasselbe Gewächs machen das Ganze noch verwirrender. Gehen wir von Sorbus (deutsch: Mehlbeere) aus, so sind Elsbeere (auch: Traubenkirsche), Speierling (auch: Spierapfel, Sorbus domestica) und Vogelbeere (alias Eberesche, auch: Krametsbeere) verschiedene Arten dieser Gattung.

Elsbeer-Brand

Erst wenn die Elsbeeren (französisch: Alisier) überreif sind, können sie genossen und zu Schnaps verarbeitet werden. Dann ist allerdings Eile geboten, denn auch Vögel lieben diese Wildfrucht außerordentlich und machen dem Anbauer ernste Konkurrenz um die Ernte. Elsbeer-Brand gilt als sehr gut, mild und komplex im Geschmack. In Österreich hat er den Stellenwert einer Delikatesse. Das verbindet sich mit außergewöhnlich hohen Preisen. Anderenorts wie z.B. im Elsass verwendet man für Elsbeer-Brand die Alisier blanc, eine häufiger anzutreffende Art, und gewinnt diesen Vogelbeer-Schnaps aus Mazeration mit anschließender Destillation. Solche Brände sind meist preislich günstiger, stehen dem aus Fruchtmaische gewonnenen Destillat aber qualitativ kaum nach.

Speierlings-Brand

Der Speierling (französisch: Cormier) ist optisch gut unterscheidbar von der landläufigen “Vogelbeere”, denn seine gelb-grünen Früchte sind Apfel-förmig, bis zu 4 cm groß. Speierlings-Brand erscheint vielen geschmacklich als “trocken”, zartbitter. Das mag auf den Tannin-Gehalt der Früchte zurückzuführen sein. Das ist der Stoff, der z.B. auch Rotweinen die nicht von jedem geschätzte “Erdung” verleiht.

Vogelbeerschnaps

Über die gemeine Vogelbeere (französisch: Sorbier) hält sich hartnäckig das Gerücht, sie sei giftig. Wahr ist, dass sie einen gewissen Gehalt an Sorbinsäure und Vitamin C besitzt. So wird aus Vogelbeeren u.a. der Austauschzucker für Diabetiker gewonnen. Vogelbeer-Schnaps zeigt neben dem Mandelton zugleich eine gewisse Süße und Frische. Da diese Sorbus-Art am weitesten verbreitet ist, sind auch die Destillate daraus vergleichsweise günstiger.