Immer wieder mal wird über gepanschte Spirituosen berichtet und vor Methanol gewarnt. 2008 wurde z.B. mit Methanol verschnittener Schnaps aus dem Ausland aus dem Markt genommen. Was hat es damit auf sich?

Methanol entsteht wie der Trinkalkohol (= Ethylalkohol, chemisch Ethanol) im Verlauf der Vergärung von Maische aus Obst, Wein, Most und anderen Ausgangsstoffen. Es ist chemischer Bestandteil praktisch jeder Spirituose. Wer sich auskennt, kann Methanol an seinem typischen, süßlichen Geruch eindeutig erkennen. Schwer fällt dies allerdings, wenn andere Gerüche und Aromen es überlagern. Während der trinkbare Alkohol aus der Vergärung des Fruchtzuckers entsteht, ist Methanol das Ergebnis der Vergärung von Pektin. Das steckt z.B. in den Zellwänden von Früchten.

Enthält eine Maische viele Schalen, Stengel und Kerne, ist auch der Methanolanteil im gewonnenen Rohalkohol höher. Das betrifft also Obstbrand und Trester-Schnaps alias Grappa. Die EU schreibt für jeden Rohstoff individuelle Grenzwert vor. Beispielsweise gilt für Williams-Birnenbrand ein Höchstwert von 13,5 g pro Liter reiner Alkohol. Reiner Alkohol kommt aber nicht zum Verzehr in den Handel. Obstbrände haben im Mittel so um die 40 % vol. Demnach dürfte der Methanolgehalt eines Liters Obstbrand allerhöchstens bei ungefähr 5 g liegen (s. auch chemie-im-alltag.de).

Wussten Sie übrigens, dass Methanol auch in Fruchtsäften vorkommt? Zwischen 40 und 200 Milligramm pro Liter haben z.B. die Landesuntersuchungsämter in Baden-Württemberg in Proben 2009 gemessen.

Doch zurück zum Obstbrand. Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass Methanol ab 0,1 g pro Kilo Körpergewicht Gift für den Körper ist. Und nun zücken wir mal den Taschenrechner: Ein Erwachsener mit 70 Kilo müsste sich also bei etwa 7 g Methanol Sorgen machen. Um diese Menge zu erreichen, müsste er allerdings schon fast 2 Flaschen Obstbrand a 0,7 Liter in sich hineinschütten.

Das wollen wir gar nicht weiter kommentieren, zumal unmässiger Alkoholkonsum immer gefährlich ist, mit oder ohne Methanol.

Nun ist aber nicht unmittelbar das Methanol gefährlich, sondern seine Abbauprodukte durch Oxidation, u.a. das bekannte Formaldehyd. Was macht der Körper mit dem Methanol? Solange er damit beschäftigt ist, den Trinkalkohol (Ethanol) abzubauen – gar nichts! Denn dieser chemische Prozess hat Vorrang und hemmt den Abbau von Methanol. Es wird über den Urin ausgeschieden.

Was bedeutet das für die Gefährlichkeit von Methanol? Man müsste Mengen zu sich nehmen, welche die Grenzwerte extrem übersteigen. Möglich ist das praktisch nur, wenn Methanol absichtlich beigemischt würde, etwa um die Ware zu strecken und den Ertrag zu erhöhen. Das wäre nicht nur Betrug, sondern käme auch Körperverletzung u.U. mit Todesfolge gleich.

Wussten Sie übrigens, wie man eine Methanol-Vergiftung bekämpft? Man macht sich den oben erwähnten Umstand zunutze, dass der Stoffwechsel das Ethanol dem Methanol vorzieht. Man verabreicht also, natürlich unter strengster medizinischer Aufsicht, solange Trinkalkohol, bis das Methanol ausgeschieden ist. Im Prinzip. Und nicht zu Nachahmung empfohlen.

Fazit: Methanol im Obstbrand ist wahrlich nicht das Problem regionaler Brennereien, z.B. Familienbetrieben, die namentlich hinter ihren Produkten stehen und beste Qualität anstreben. Eher sollte man offener Ware unbekannter Herkunft oder Billigprodukten mit Misstrauen begegnen.