Bretagne pur, in Faß und Flasche

Die Distillerie Warenghem wurde bereits im Jahr 1900 im bretonischen Lannion an der Côte de Granit Rose gegründet. An Single Malt Whisky und feine Apfelbrände war zu dieser Zeit für Léon Warenghem noch gar nicht zu denken. Die Brennerei-Familie produzierte vielmehr das Elixir d’Armorique. Dieser bretonische Kräuterlikör wurde anlässlich der Weltausstellungen in Brest und Bordeaux mehrfach ausgezeichnet und dadurch schnell international bekannt.

Die Brennerei konzentrierte zunächst sich auf die Produktion von Obstbränden und Kräuterschnäpsen. Sohn Henri führte in der zweiten Generation ab 1919 diese Tradition fort und entwickelte weitere Liköre aus Pfefferminz, Johannisbeere (Cassis) und Kirschen. Paul-Henri, die dritte Generation, überlässt 1967 Yves Leizour als Teilhaber die Geschäftsführung der Distillerie Warenghem. Dessen Sohn Gilles Leizour nun wiederum ist der Erfinder, oder besser: Wiederentdecker, des Chouchen. Dieses alkoholische Getränk aus Honig und Apfelsaft geht auf mittelalterliche Rezepturen zurück und ist auch außerhalb der Bretagne weit verbreitet. 

Distillerie Warenghem hat sich mit Whisky Breton neu erfunden

Das „Elixir“, der gallische Trank, mit dem alles begann, gibt es zwar auch heute noch, aber erst mit bretonischem Whisky rückte die Distillerie Warenghem ab den 1990er Jahre wieder ins Bewusstsein der internationalen Spirituosenwelt. Man hatte beschlossen, sich dem Whisky zu widmen, und zwar konsequent und gewissenhaft. Bot nicht die Landschaft an der rosa Granit-Küste der Bretagne fast identische Voraussetzungen wie die schottischen Küsten, und geht nicht das Whisky-Brennen auf keltische, also ur-bretonische Ursprünge zurück? Gilles Leizour und der kaufmännische Leiter Bernard Le Pallec holten sich in Schottland Inspiration, begannen zu experimentieren und brachten schließlich 1987 den Blended Whisky „WB“ auf den Markt. Ein gutes Jahrzehnt später folgte Armorik.

Das salzige, regnerische und stürmische Klima der bretonischen Küste kommt im Armorik Whisky zum Tragen und bildet die Grundlage für die Erfolge und weitere Entwicklung der Distillerie Warenghem. Meilenstein sind u.a. der Armorik Double Matured und Breizh Whisky. Sie wurden unter der Leitung von David Roussier, Leizours Schwiegersohn und damit der fünften Generation, herausgebracht. Auszeichnungen wie Best European Single Malt im Jahre 2013 und Best European Blended Whisky 2013 und 2014 folgen. Nicht zuletzt gab es Gold beim Concours Général Agricole in Paris für Armorik Edition Originale und Double Gold bei der World Spirits Competition in San Francisco. Der „Pionier“ Armorik ist schließlich nicht ganz unschuldig daran, dass die Bretagne mit ihrem keltischen Kulturerbe 2015 zu einer offiziellen Whisky-Region erklärt und Whisky Breton eine eingetragene Herkunftsbezeichung wurde.

Armorik Whisky wird zweifach im Pot Still Verfahren destilliert und in verschiedenen Fässern ausgereift, darunter Ex-Bourbon, Ex-Sherry sowie spezielle Fässer aus der langsam wachsenden und daher physikalisch dichten Brocéliande-Eiche, die dem Whisky natürlich süße und einzigartige Holz-Noten verleiht. Das Wasser bezieht die Distillerie Warenghem aus der Quelle Rest Avel (Haus des Windes), 100 Meter tief im besonders kalkarmen Granitfelsen der bretonischen Küste. Auch bei der Wahl der Getreide besinnt man sich auf die Region: Französisches Gerstenmalz für die Single Malts, bretonischer Weizen für die Blended Whiskys.

Bretonischer Whisky ist zwar das bekannteste Aushängeschild der Distillerie Warenghem, aber seit den 1990er Jahren produziert man außerdem eine Reihe von Apfelbränden und „Calvados“, der natürlich nicht so genannt werden darf, weil es eine geschützte Herkunftsbezeichnung ist. Die Produkte heißen stattdessen Fine Bretagne AOC und Pommeau de Bretagne AOC. Schließlich bietet Warenghem seit Mitte der 2000er Jahre Diwall an, ein dem Pils ähnliches bretonisches Bier. Für die ganze Produktpalette dieser nach wie vor kleinen, familiengeführten Brennerei gilt der bretonische Grundsatz: „Gwelloc’h bepred“ – stets exzellent.

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